Ist zwar schon einige Zeit her, aber so wie das geschrieben wurde, darf man es nicht stehen
lassen.....
<RE: Zertifikate: Rollen tut weh>
Rollen tut
nicht weh, es sind ganz normal die laufenden Kosten die ein Investor zu übernehmen hat, wenn er einen
Rohstoff besitzt, nämlich die Kosten für und Finanzierung, Lagerung, Versicherung (=Contango). Wenn
man ein Warrant kauft, muß man Lagerung, Versicherung ja auch genauso bezahlen.
<Zwar sind die Preise für Rohstoffe gestiegen. Langfristig orientierte Anleger, die mit
Indexzertifikaten ohne Laufzeitbegrenzung genau darauf gesetzt haben, profitieren aber nur
unterdurchschnittlich.>
Das wird in der Regel (Contangomarkt) immer der Fall sein, zumal
der erhoffte Preisanstieg
zum einen die Finanzierung des Zertifikates und zusätzlich die Kosten
für das Rollgeschäft
(carry trade) übersteigen müßte. Hier wird schon ersichtlich, daß die
Finanzierungskosten für das Halten eines Rohstoffs doppelt zu zahlen sind, einmal für das Zertifikat,
das zweite Mal
für den carry trade.(Contango)
<Denn anders
als bei Zertifikaten, die sich auf Aktien beziehen, nutzen Rohstoffzertifikate nicht direkt den Basiswert
- sprich Zucker, Platin oder Öl - sondern für die zugrunde liegenden Indizes die entsprechenden
Rohstoff-Futures.>
Auf Deutsch müßte das heißen: Rohstoffzertifikate basieren nicht auf
dem Kassapreis, sondern auf einem Terminpreis, wobei der Emittent den Termin offenbar selbst auswählt.
<Rohstoffe sind bis auf Edelmetalle nicht homogene Güter, weisen
unterschiedliche Qualitätsmerkmale auf und lassen sich in der Regel schlecht lagern.>
Alle
börsengehandelten Rohstoffe weisen einheitliche (standardisierte) Qualitätsmerkmale auf und sind, mit
wenigen Ausnahmen, langzeitlagerfähig.
<Deshalb wurde erst mit den
Futures eine standardisierte Handelbarkeit erreicht", erklärt Michael Geister von ETF Securities.>
Nicht mit den Futures wurde eine standardisierte Handelbarkeit erreicht, sondern mit der
Etablierung von Börsen.
<Im Unterschied zum Kassapreis, auch Spotpreis
genannt, spiegeln sich im Futurepreis zusätzlich einerseits Kosten für die Rohstofflagerung,
andererseits Ernte- oder Fördererwartungen wider.>
Im Futurepreis spiegeln sich (nur im
Falle eines Contangos) Kosten für Lagerung, Versicherung und Finanzierung wieder. Das Contango kann
niemals größer werden als die Summe o.a. Kosten. Ernte- oder Fördererwartungen spiegeln sich im
Futurepreis nicht wieder. Die Erwartung wesentlicher Veränderungen bei Angebot und Nachfrage wirkt sich
auf das gesamte Preisniveau aus und nicht nur auf den Terminmarkt. Lediglich unerwartete Verknappungen
auf der Anbotsseite, oder unerwartet hohe Nachfrage für prompte Ware kann eine Backwardation entstehen
lassen.
<Was die wenigsten Anleger wissen: Mit dem Kauf eines
einfachen Indexzertifikats auf einen Rohstoff-Future spekulieren sie auf einen stärkeren Preisanstieg
als ihn die aktuelle Terminmarktkurve erwarten lässt.>
Was die wenigsten Anleger wissen:
daß sie von diesen Zertifikaten die Finger lassen mögen,
anderenfalls sie wenigstens wissen
sollten, daß sie nur bei einem Contango auf einen stärkeren Preisanstieg spekulieren als ihn die
aktuelle Terminmarktkurve (zuzüglich der Finanzierung des Zertifikates!) erwarten läßt. Im Falle einer
Backwardation gibt es kurzzeitig einen warmen Regen (falls er vom Emittenten an den Anleger in vollem
Umfang überhaupt weitergegeben wird...)
<Im umgekehrten Fall - Contango
- verlieren Zertifikateanleger mit jedem Rollvorgang Geld, da die neuen Futures teurer als die bisherigen
Futures sind. Emittenten lösen das
Problem mit einer geringeren Kontraktzahl beim Neukauf.>
Auf Deutsch heißt das: sobald ein Future-Long-Kontrakt Kassa wird, wird er verkauft und
gleichzeitig (carry trade*) auf einen neuen Termin verkauft, hiebei fällt das Contango an, das der
Anleger zu bezahlen hat. Abgesehen davon fällt bei jedem carry trade (auch Verlängerung oder Rollen
genannt) zusätzlich noch der sell/buy spread an. Um all diese Kosten dem Anleger nicht als Margin
verrechnen zu müssen, lösen die Emittenten das Problem einfach damit, daß von der ursprünglich
gekauften Menge, wenn man lange genug wartet, und nicht zufällig eine Backwardation auftaucht oder die
Preise tatsächlich in die erhoffte Richtung gehen, am Ende von der Anlage nichts mehr übrig bleibt.
*carry trade einer Longposition = "lending carry"
carry trade einer Shortporition =
"borrowing carry"
<Da Futurepreise nicht proportional auf der Terminmarktkurve
steigen oder fallen, nutzen neuere Zertifikate-Varianten die Preissprünge auf der
Terminmarktkurve.>
Das bedeutet, daß hier das spekulative Element der Rohstoffveranlagung
weiter erhöht wird.
Es geht jetzt nicht mehr alleine darum auf steigende Preise zu hoffen, sondern
darüber hinaus
um die Spekulation mit Contango/Backwardation auf langen Terminen. Ohne jetzt im
Detail darauf einzugehen, das kann im Falle einer vorzeitigen Auflösung der Position (Verkauf des
Zertifikates vor Fälligkeit des Futurekontraktes) schwer ins Auge gehen!
<Die Investition in unterschiedliche Terminkontrakte ist grundsätzlich gut, meint Matthias Luck,
Derivateexperte von mmFinance. Damit kann allerdings der Contango-Effekt nur gemindert werden>
Der Contango-Effekt kann ohne zusätzliches spekulatives Engagement niemals gemindert werden!
Fazit: diese Zertifikate sind nur für den Emittenten gut.
Gruß
k