Online-Glücksspielanbieter pokern um Lizenzen
Nicht lizenzierte Anbieter buhlen um Liberalisierung des
Marktes
Während die Koalitionspartner
derzeit um ein neues Glücksspielgesetz ringen, bringen sich nach den
Casinos Austria auch jene Glücksspielanbieter in Stellung, die zwar
in Österreich nicht lizenziert sind, aber Steuern zahlen. Verwies
der Monopolist in der Vorwoche auf den mangelnden Spielerschutz bei
einer Liberalisierung des Marktes, sieht der Branchenverband
Österreichische Vereinigung für Wetten und Glücksspiel (OVWG) gerade
durch das Monopol den Spielerschutz gefährdet.Die Casinos Austria erreichen mit den Lotterien laut dem
Branchenverband in etwa 35 Prozent der Spieler. Rund 65 Prozent der
Spieler nutzen also nicht lizenzierte Anbieter. Mit einer
Liberalisierung des Marktes könnten legale Anbieter eine deutlich
höhere Kanalisationsrate - also höheren Anteil am gesamten
Glücksspiel - erzielen, sagte OVWG-Generalsekretär Thomas Forstner
im Gespräch mit der APA. Damit könnte das Online-Glücksspiel besser
kontrolliert werden. Die Anzahl der Lizenzen sollte nicht begrenzt
werden, viel mehr sollten qualitative Kriterien entscheiden, ob ein
Anbieter eine österreichische Lizenz erhält.
Höhere Steuereinnahmen
Als Erfolgsmodell verweist der OVWG auf das Beispiel Dänemark:
Dort stieg der Anteil der Spieler, die lizenzierte Plattformen
nutzten, von 39 Prozent im Jahr 2010 auf 90 Prozent bis 2020. Und am
Schwarzmarkt wird mit höheren Einsätzen gespielt. Zudem fehle es an
Spielerschutzregeln und Maßnahmen zur Geldwäschebekämpfung.
Mit der Liberalisierung würden auch die Steuereinnahmen steigen,
verweist der OVWG auf entsprechende Berechnungen. Während die
Zielvorgaben der Regierung zusätzliche Einnahmen von heuer 129 Mio.
Euro bis 240 Mio. Euro im Jahr 2031 vorsehen, sei mit einem Anstieg
der jährlichen Mehreinnahmen von 67 Mio. Euro auf 79 Mio. Euro zu
rechnen. Eine Liberalisierung würde hingegen die Mehreinnahmen bis
2031 von derzeit 108 Mio. Euro auf 529 Mio. Euro ansteigen lassen.
Während die SPÖ bisher eher für eine Beibehaltung des Monopols
eintrat, sprachen sich die NEOS für eine Liberalisierung des Marktes
aus. Aber auch bei der ÖVP soll man einer Liberalisierung nicht
abgeneigt sein - auch wenn die ÖBAG als Gesellschafterin der Casinos
Austria und damit der Lotterien dem Ressort von Wirtschaftsminister
Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) zugeordnet ist.
Reges Interesse
Das Interesse seitens der Anbieter dürfte jedenfalls gegeben
sein. Anbieter wie der US-Konzern Brightstar oder die Izi Group aus
Malta bereiten sich bereits auf einen Markteintritt vor. So bemühte
sich Brightstar um die österreichische Post als Vertriebspartner.
Aber der teilstaatliche Konzern machte dann einen Rückzieher - um
nicht den Casinos Austria in die Quere zu kommen. Allerdings könnte
sich Brightstar um andere Vertriebspartner kümmern, etwa
Supermarktketten. Und die Izi Group hat sich für die
Österreich-Tochter mit Mario Pulker den früheren WKÖ-Obmann des
Fachverbandes Gastronomie als Teilhaber geangelt.
Bei einem attraktiven Angebot lizenzierter Plattformen sinke der
Anteil völlig unregulierter Anbieter aus Russland oder der Karibik,
ist man beim Branchenverband überzeugt. "Wenn ein Spieler auf völlig
unregulierten Seiten spielt, wird das Geld oft nicht ausbezahlt",
sagt Forstner. "Dafür werden immer weitere Unterlagen verlangt, die
Spielerin oder der Spieler laufend vertröstet", verweist Forstner
auf die Erfahrungen von "Gewinnern" auf dubiosen Websites.
Kreative Lösungen
Mit lizenzierten Anbietern könnte man zudem eine
Anbieter-übergreifende Sperrdatei einrichten. Die im Gesetzesentwurf
vorgesehene Sperre nicht lizenzierter Anbieter durch IP- und
Payment-Blocking, also die Sperre der Website oder der Einzahlung
für Spieler aus Österreich, hält Forstner hingegen nicht für
sinnvoll: "Auf der (Glücksspiel-, Anm.) Messe ICE in Barcelona gab
es einige Unternehmen mit entsprechenden Angeboten", verwies der
OVWG-Generalsekretär auf kreative Lösungen diverser Anbieter.
fel/cri/moh
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