Oberbank-Chef wiegelt Sorgen vor Inflationsspirale ab
Oberbank erzielte 2025 Nettogewinn von 372 Mio. Euro -
Dividende wird auf 1,35 Euro je Aktie erhöht
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AKTUALISIERUNGS-HINWEIS
Durchgehend mehr Details nach Bilanz-PK
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Oberbank-Chef Franz Gasselsberger erwartet mit
Blick auf den Konflikt in Nahost keine neuerliche Inflationsspirale
wie im Jahr 2022 nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs. Damals hätten die
Notenbanken die Inflation unterschätzt und die Zinsen zu spät
angehoben. "Jetzt haben wir eine ganz andere Situation", sagte er am
Donnerstag und rief dazu auf, mit zu schnell angepassten Prognosen
vorsichtig zu sein - auch wenn die Geopolitik schwerer als die
Finanzmärkte vorauszusagen sei.
Im Gegensatz zu 2022 befinde man sich im Euroraum nicht in einer
Nullzinsphase, in den USA liege der Leitzinssatz sogar bei 3,75
Prozent, was einen "gewissen bremsenden" Effekt habe genauso wie der
"sehr stark angestiegene" Kapitalmarktzins, sagte der mit Jahresende
scheidende Bankenchef. "Und dazu kommt, dass natürlich die
Notenbanken jederzeit handlungsbereit sind." Auch die im Markt
derzeit eingepreisten drei Zinserhöhungen sehe Gasselsberger nicht,
weil die hohen Energiekosten ohnehin bereits einen bremsenden Effekt
auf die Wirtschaft hätten, die nicht durch Zinserhöhungen noch
weiter verstärkt werden müssten. Ebenso wenig rechne er mit einer
Lohn-Preis-Spirale.
Reaktion der Kapitalmärkte bisher "sehr besonnen"
Zudem erinnerte Gasselsberger daran, dass vor einem Jahr, als
Trump seine Zinspolitik angekündigt und umgesetzt hat, viele
Ökonomen vor einer Rezession gewarnt haben. Eingetreten sei
stattdessen ein Weltwirtschaftswachstum von 3 Prozent. Positiv
überrascht hätten ihn die Kapitalmärkte, die "sehr besonnen" mit
Kursrückgängen reagierten. Als möglichen Grund nannte er, dass die
Unternehmensgewinne in den vergangenen Wochen und Monaten sehr gut
gewesen seien und die großen börsennotierten Unternehmen
zweistellige Gewinnzuwächse verzeichnet hätten. Die weiteren
Entwicklungen seien vor allem davon abhängig, wie lange der
Iran-Krieg dauern werde.
Im Wohnbaugeschäft sehe man bei der Oberbank derzeit noch keine
Auswirkungen. Der Trend bei der Wohnbaufinanzierung sei intakt und
die Bank verzeichne anhaltend starke Zuwachsraten. Im
Wertpapiergeschäft habe die Bank im ersten Quartal 2026 ein
Rekordergebnis erreicht, das Einlagenwachstum sei nach wie vor sehr
stark, genauso wie das Kreditwachstum. Allerdings führe die Krise,
je länger sie dauert, möglicherweise zu einem Vertrauensverlust,
Konsumzurückhaltung, einem Anstieg der Sparquote und habe ebenso
Auswirkungen auf das Kreditrisiko, weil Kostensteigerungen nicht
überall im Markt weitergegeben werden können, so Gasselsberger.
Leichte Gewinneinbußen
Die oberösterreichische Oberbank hat 2025 leichte Gewinneinbußen
verzeichnet. Während das Kreditgeschäft der börsennotierten Bank
deutlich anzog und der Jahresüberschuss vor Steuern zum dritten Mal
in Folge mit 477,1 Mio. Euro auf Rekordniveau lag, ging der
Nettogewinn um 1,8 Prozent auf 372 Mio. Euro leicht zurück. Vorstand
und Aufsichtsrat wollen der Hauptversammlung eine Erhöhung der
Dividende um 20 Cent auf 1,35 Euro vorschlagen, wie das Unternehmen
am Donnerstag mitteilte.
"Trotz schwieriger Rahmenbedingungen, rückläufiger Zinserträge
und einer erhöhten Kostenbelastung, Stichwort Bankenabgabe, haben
wir das dritte Mal in Folge ein Rekordergebnis erwirtschaften
können", kommentierte Oberbank-Generaldirektor Franz Gasselsberger
das Ergebnis bei der Bilanz-Pressekonferenz in Wien. "Das zeigt
auch, wie widerstandsfähig unser Geschäftsmodell ist."
Kreditnachfrage deutlich angezogen
Sowohl bei den Krediten als auch bei den Einlagen habe man sich
"deutlich stärker" entwickelt als der Markt. Dabei habe die
Kreditnachfrage sowohl von Unternehmen als auch Privaten deutlich
angezogen. Das Kreditvolumen wurde mit einem Plus von 20 Prozent in
der Neuvergabe im Vergleich zum Vorjahr um 860,4 Mio. Euro auf 21,6
Mrd. Euro gesteigert. Das Firmenkreditvolumen legte indes um 4,6
Prozent auf 17,9 Mrd. Euro zu und sei damit doppelt so stark
gewachsen wie der Gesamtmarkt Österreich (plus 2,4 Prozent). Dabei
hätten alle Märkte - Österreich, Deutschland, Tschechien, Ungarn und
die Slowakei - gleichermaßen beigetragen. Die Kreditausfallrate
(non-performing loans/NPL) verbesserte sich deutlich auf 2,78
Prozent.
Die Kundeneinlagen stiegen um 4,7 Prozent auf 20,6 Mrd. Euro. Das
Provisionsgeschäft verbesserte sich um 12,6 Prozent auf 231,8 Mio.
Euro, das Zinsergebnis ging indes um 5,3 Prozent auf 621,2 Mio. Euro
zurück.
sag/bel
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