Iran - Stimmung in der Wirtschaft wegen des Iran-Krieges eingetrübt
Bank-Austria-Konjunkturindikator fällt im März auf minus 1,3
Punkte - Niedrigster Wert seit vier Monaten - Ökonomen nehmen
Wachstumsprognose zurück
Die Stimmung in der Wirtschaft hat sich wegen des
Iran-Krieges deutlich eingetrübt. Im März fiel der
Konjunkturindikator der UniCredit Bank Austria auf minus 1,3 Punkte
- den niedrigsten Wert seit vier Monaten. "Wir haben für 2026 unsere
Wachstumsprognose erneut um ein Zehntelprozentpunkt auf 0,8 Prozent
zurückgenommen und gehen für 2027 nur noch von einem BIP-Anstieg von
1,2 Prozent aus", sagte UniCredit-Bank-Austria-Ökonom Walter
Pudschedl am Mittwoch in einer Aussendung.Im ersten Quartal erreichte der Indikator durchschnittlich minus
0,8 Punkte. "Das beste Ergebnis seit fast drei Jahren signalisiert
eine Fortsetzung der Erholung der österreichischen Wirtschaft mit
einem geringfügigen Anstieg des BIPs zu Jahresbeginn 2026.
Allerdings spricht die Stimmungsverschlechterung im März für eine
einsetzende Verlangsamung des Aufwärtstrends", so
UniCredit-Bank-Austria-Chefökonom Stefan Bruckbauer.
Im Bau und in der Industrie nahm die Verunsicherung im März durch
eine verbesserte Auftragsentwicklung etwas ab. Die geopolitischen
Unsicherheiten verschlechterten hingegen die Stimmung der
Verbraucher. Auch im Dienstleistungssektor trübten sich die
Geschäftsaussichten unter anderem für den Handel oder den Tourismus
ein. "Zudem war in allen Wirtschaftssektoren in Österreich die
Stimmung schlechter als im Euroraum insgesamt, besonders deutlich
war der Abstand in der Industrie", sagte Bruckbauer. "Aus heutiger
Sicht kostet der Konflikt Österreich 0,5 Prozentpunkte Wachstum und
rund 1,5 Prozentpunkte Inflation bis 2027".
Erholung der österreichischen Wirtschaft in Gefahr
Durch den Nahost-Konflikt gerät laut Ansicht der Ökonomen die
Erholung der österreichischen Wirtschaft in Gefahr. Die Straße von
Hormuz werde zumindest bis zum Sommer geschlossen bleiben. Für die
zweite Jahreshälfte erwarten sie aber eine allmähliche Beruhigung
der Lage, wodurch sich der Rohöltransport schrittweise normalisieren
und die Preise zu sinken beginnen werden. Allerdings werden sie 2026
nicht mehr das Vorkriegsniveau erreichen, so ihre Einschätzung.
"Durch die Herausforderungen wird sich das Erholungstempo zwar
verlangsamen, wir sind aber optimistisch, dass der Aufschwung nicht
zum Stillstand kommt", sagte Pudschedl. Gebremst werde die Erholung
durch die geopolitischen Verunsicherungen sowie die hohe Inflation,
die sich belastend für die Investitionstätigkeit sowie die
Entwicklung des Konsums erweisen werden.
Arbeitsmarkt-Trendwende wohl erst 2027
Die Konjunkturerholung ermöglichte in den vergangenen Monaten die
Stabilisierung der Lage am Arbeitsmarkt. Mit den geringeren
Wachstumserwartungen verschieben sich allerdings die Aussichten auf
eine Trendwende auf das zweite Halbjahr. "Trotz der wirtschaftlichen
Belastungen durch den Iran-Krieg erwarten wir für 2026 eine
Stabilisierung der Arbeitslosenquote bei 7,4 Prozent. Erst für 2027
gehen wir bei günstigeren konjunkturellen Rahmenbedingungen von
einem Rückgang auf zumindest 7,3 Prozent aus, der durch einen nur
verhaltenen Anstieg des Arbeitskräfteangebots unterstützt werden
wird", so Pudschedl.
Die Ökonomen rechnen mit höheren Energiepreisen für eine längere
Zeitspanne als bisher angenommen. Ihre Inflationsprognose für den
Jahresdurchschnitt 2026 erhöhten sie nach der ersten Anhebung von
1,9 auf 2,5 Prozent angesichts des länger anhaltenden Iran-Krieges
auf nunmehr 3 Prozent. "Mit der längeren Konfliktdauer steigt die
Wahrscheinlichkeit von Zweitrundeneffekten. Wir haben unsere
Inflationsprognose für 2027 von 2,2 auf 2,6 Prozent erhöht", sagte
der Ökonom.
Ökonomen erwarten Leitzins-Anhebung durch EZB
Da der Iran-Krieg bereits länger andauere und die Folgen der
Blockade der Straße von Hormuz auf die Inflation mittlerweile
deutlich ausfallen, geht Bruckbauer davon aus, dass die Europäische
Zentralbank (EZB) zur Stabilisierung der Inflationserwartungen eine
Anhebung der Leitzinsen vornehmen wird. "Wir erwarten für Juni und
September einen Anstieg des Einlagensatzes um jeweils 25 Basispunkte
auf die obere Grenze des neutralen Bereichs. Im dritten Quartal 2027
könnte die EZB bei günstigem Verlauf jedoch eine Zinserhöhung wieder
rückgängig machen", so der UniCredit-Bank-Austria-Chefökonom.
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