Erste Group: Integration der Tochter in Polen läuft auf Hochtouren
Rebranding soll im zweiten Quartal erfolgen, vollständige
Integration wird zwei Jahre dauern - Dividende wegen Zukaufs
geringer - GRAFIK
---------------------------------------------------------------------
AKTUALISIERUNGS-HINWEIS
Neu: Vollständig neu nach Bilanz-PK
---------------------------------------------------------------------
Nach dem Kauf der Santander Bank Polska durch die
Erste Group läuft die Integration des polnischen Geldhauses bereits
auf Hochtouren. 485 Filialen sowie 1.400 Bankomaten in Polen stehen
vor der Umgestaltung, das Rebranding soll bereits im zweiten Quartal
2026 erfolgen, sagte Bankchef Peter Bosek am Donnerstag bei der
Bilanzpressekonferenz. Bis der Prozess vollständig abgeschlossen
ist, werden rund zwei Jahre vergehen. "Wir haben viel Arbeit vor
uns", so der Manager.
Um insgesamt 7 Mrd. Euro hatte die Erste Group zuletzt einen
beherrschenden 49-Prozent-Anteil an der Santander Bank Polska und
einen 50-Prozent-Anteil an der Santander TFI erworben. Es handelt
sich um eine der größten grenzüberschreitenden Bankentransaktionen
in Europa der vergangenen Jahre.
Erfreut zeigte sich Bosek nicht nur über den Abschluss der
Übernahme im Jänner und die damit einhergehenden Chancen am
polnischen Markt, sondern auch über den Geschäftsverlauf im Jahr
2025. Die Gruppe erwirtschaftete einen Nettogewinn von 3,5 Mrd.
Euro, das sind um rund 400 Mio. Euro mehr als in der
Vorjahresperiode. Sowohl das Kredit- als auch das Einlagengeschäft
sind gewachsen, Zinsüberschuss- sowie Provisionsergebnis stiegen.
Aufschwung in Zentral- und Osteuropa stützt Erste Group
Der Bankchef führte dies unter anderem auf die starke
wirtschaftliche Entwicklung in mehreren Ländern Zentral- und
Osteuropas sowie auf neue Angebote zurück, die von Kundinnen und
Kunden gut angenommen würden. Besonders hob er Tschechien hervor,
aber auch in Österreich springe "der Markt wieder an", sagte er mit
Blick auf eine leichte Erholung des Kreditgeschäfts im vergangenen
Jahr und eine hierzulande langsam wieder zurückkehrende
Konsumfreude.
Finanzvorstand Stefan Dörfler schlug bei dem Medientermin in eine
ähnliche Kerbe. Die Erste Group profitiere nach wie vor von der
"Wachstumsstory der Ökonomien in Zentral- und Osteuropa", wobei
Polen mit Blick auf die wirtschaftliche Kraft und
Wettbewerbsfähigkeit Europas eine "zentrale Rolle" spiele. In den
Ergebnissen der Bank schlage sich das vor allem im Kreditwachstum
bzw. im Kreditvolumen nieder, das 2025 über die Gruppe hinweg - die
Erste ist unter anderem in Österreich, Tschechien, Ungarn, der
Slowakei und Rumänien aktiv - um 6,4 Prozent auf 232,0 Mrd. Euro
kletterte. Unter Einbeziehung von Polen peilt die Gruppe für heuer
ein Volumen von 285 Mrd. Euro an.
Stabile Finanzlage, weniger Dividende
Mit der Integration der Bank sind freilich auch Kosten verbunden.
Auf Österreich und die polnische Tochter verteilt machen diese heuer
rund 180 Mio. Euro aus. Allerdings sieht sich die Bank dafür gut
aufgestellt, zumal sich die Risikokosten inmitten des schwierigen
Umfelds nur geringfügig erhöhten, ergänzte Risikovorständin
Alexandra Habeler-Drabek. Diese "Stabilität", die Habeler-Drabek
auch im Zuge der Übernahme gewahrt sieht, spiegle sich in der Quote
notleidender Kredite (non-performing loans/NPL) wider, die sich für
die Gruppe per Jahresende 2025 von 2,6 auf 2,4 Prozent verbesserte.
Darüber hinaus sei die Bank trotz der vollständig aus Eigenmitteln
finanzierten Übernahme mit einer stabilen Kernkapitalquote
ausgestattet.
Wermutstropfen aus Sicht der Aktionäre: Die Dividende wird heuer
wegen des Zukaufs in Polen deutlich niedriger als zuletzt ausfallen.
Der Hauptversammlung will der Vorstand pro Aktie 0,75 Euro
vorschlagen, 2024 hatte die Gruppe noch 3,00 Euro pro Aktie
ausgeschüttet. Dörfler versicherte jedoch, dass die Bank bald wieder
"die volle Kapazität" haben werde, um wieder auf das alte
Ausschüttungsniveau zurückzukommen.
Bosek will "höhere Ansprüche" für Österreich
Für Bankchef Bosek sind abgesehen von den guten Ergebnissen
seiner Bankengruppe aus österreichischer Sicht weitere
wirtschaftliche Impulse gefragt. Er sei zwar positiv gestimmt, weil
das Land "alle Voraussetzungen hat, dass es wieder wächst", man
könne allerdings "an den Ambitionen arbeiten". Er verwies damit auf
das für heuer von Kanzler Christian Stocker (ÖVP) ausgegebene Ziel,
ein Wirtschaftswachstum von einem Prozent zu erreichen. "Da kann man
einen höheren Anspruch haben, weil es ja auch darum geht, uns
irgendwann wieder budgetäre Spielräume zu schaffen."
Zum Immobilienmarkt und der hohen Ausfallrate bei Krediten im
Gewerbesektor sagte Bosek, dass es noch etwa zwei Jahre dauern
werde, bis die Banken das entsprechende Portfolio abgebaut haben und
sich der Sektor erhole. Grund seien unter anderem die relativ langen
Vorlaufzeiten für Baubewilligungen. Schon jetzt aber beginne sich
"der Markt zu drehen", meinte der Manager, von der beschlossenen
Erhöhung des sektoralen Risikopuffers Mitte des Jahres halte er
daher in der aktuellen Phase wenig. Die Finanzmarktaufsicht (FMA)
hatte am gestrigen Mittwoch neuerlich auf die schwierige Situation
in dem Bereich aufmerksam gemacht.
(Redaktionelle Hinweise: 0247-26)
tpo/ivn/bel
ISIN AT0000652011
WEB http://www.erstegroup.com
ISIN AT0000937503
WEB http://www.voestalpine.com