OMV: Iran-Krieg bedroht Energieversorgung stärker als Ukraine-Krieg
OMV-Chef: Auswirkungen hängen von der Dauer des Konflikts ab -
Chemiemarkt und Überkapazitäten bremsen BGI-Börsengang
Der Krieg der USA und Israels gegen den Iran
könnte nach Einschätzung von OMV-Chef Alfred Stern die weltweite
Energieversorgung stärker beeinträchtigen als der russische
Einmarsch in die Ukraine. Während der Ukraine-Konflikt die
Energieströme weitgehend umgeleitet habe, entziehe der Krieg gegen
den Iran dem Weltmarkt tatsächlich verfügbare Mengen, sagte Stern
der Nachrichtenagentur Reuters.In dem seit vier Wochen andauernde Konflikt sind auch wegen
iranischer Angriffe auf Nachbarstaaten am Golf wichtige
Energieanlagen beschädigt worden. Zudem ist die Schifffahrt durch
die Straße von Hormus, über die rund 20 Prozent der weltweiten
Erdöl- und Flüssiggasströme abgewickelt werden, nahezu zum Erliegen
gekommen.
"Die derzeitige Krise im Nahen Osten ist eine echte physische
Unterbrechung der Lieferketten", sagte Stern, Vorstandschef des
österreichischen Öl-, Gas- und Chemiekonzerns OMV, am Rande der
Energiekonferenz CERAWeek im texanischen Houston. Dies sei deutlich
gravierender. Die entscheidende Frage sei jedoch, wie lange dieser
Konflikt dauert. "Wenn dies zeitlich begrenzt ist, wird es
wahrscheinlich geringere Auswirkungen haben." Die wirtschaftlichen
Folgen der Krise seien in einkommensschwächeren Ländern bereits
spürbar, erklärte der Manager weiter.
Mega-Fusion vor Abschluss
Ungeachtet der geopolitischen Spannungen steht OMV kurz vor dem
Abschluss einer Mega-Fusion. Bis Ende März soll der Zusammenschluss
der Petrochemietöchter der OMV und ihres Kernaktionärs Abu Dhabi
National Oil Company (Adnoc) zum globalen Chemieunternehmen Borouge
Group International (BGI) vollzogen werden. Darin sollen die
OMV-Tochter Borealis, die in Abu Dhabi gelistete Borouge sowie die
kanadische Nova Chemicals des Staatsfonds Mubadala aus den
Vereinigten Arabischen Emiraten aufgehen. Der neue Chemieriese soll
mit einer Kapazität von 13,6 Millionen Tonnen zum viertgrößten
Polyolefin-Produzenten der Welt aufsteigen. Der geplante Börsengang
des Unternehmens wurde Stern zufolge jedoch auf 2027 verschoben.
Grund dafür seien ungünstige Bedingungen auf dem Chemikalienmarkt
und Überkapazitäten in Asien, nicht jedoch die Krise im Nahen Osten.
Zudem signalisierte Stern weiteres Interesse an Projekten in
Libyen. Dort hatten OMV und die staatliche National Oil Corporation
(NOC) im Jahr 2025 einen neuen Ölfund im Sirte-Becken gemeldet. Das
nordafrikanische Land plant, seine Erdgasproduktion in den kommenden
fünf Jahren auszubauen.
ivn
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