2. Verhandlungsrunde zum Tourismus-KV gestartet - vida fordert 3,8 %
Gewerkschaft vida verweist auf Buchungsrekord im Winter -
Hilfskräfte im Tourismus erhalten Mindestlohn von 2.026 Euro
brutto - Inflation zuletzt auf 3,1 Prozent gestiegen
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AKTUALISIERUNGS-HINWEIS
Neu: Gänzlich neu nach Start der Gespräche
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Am späten Dienstagvormittag hat die zweite
Verhandlungsrunde für den Kollektivvertrag (KV) 2026 für den
Tourismus- und Gastronomiesektor begonnen. Vor dem ersten Treffen in
Wien am 12. März waren sich die Sozialpartner bereits wegen verbaler
Unfreundlichkeiten in den Haaren gelegen. Beim Erstgespräch vor
knapp einem Monat forderte die Gewerkschaft vida nach Eigenangaben
eine Lohn- und Gehaltserhöhung von 3,8 Prozent, zusätzlich zwölf
freie Sonntage und bezahlte Mittagspausen.
Die Arbeitgeber hätten aber nur ein Plus von 2,3 Prozent
angeboten, kritisierte die vida. Dies sei zu wenig, die den
Verhandlungen zugrunde liegende Jahresinflation liege schließlich
bei 3,6 Prozent, so vida-Verhandlungsleiterin Eva Eberhart. Von den
Arbeitgebern hieß es, die vida-Forderungen seien "in der aktuellen
wirtschaftlichen Situation der Branche nicht umsetzbar". "Was
wirtschaftlich nicht machbar ist, kann auch nicht vereinbart
werden", betonten die Chefverhandler der gastgewerblichen
Fachverbände in der Wirtschaftskammer, Georg Imlauer und Alois
Rainer, nach der ersten KV-Runde im März.
8.000 EU-Ausländer für Wintersaison
Eine genaue Mitarbeiterzahl der betroffenen Branche lässt sich
auf Grund der Saisonalität nicht festmachen. Übers Jahr sind
zwischen 200.000 und 240.000 Menschen nach dem Kollektivvertrag für
Hotellerie und Gastronomie angestellt. Dazu gibt es rund 65.000
Betriebe. Sie teilen sich in knapp 19.000 in der Hotellerie und gut
46.000 in der Gastronomie auf. Diese beklagen regelmäßig, dass sie
händeringend nach Mitarbeitern suchen würden.
Die Regierung hat darauf reagiert und zu Beginn der Wintersaison
2025/26 das Saisonnierskontingent aus Staaten außerhalb der EU auf
8.000 Plätze weiter erhöht. Die vida sprach daraufhin "angesichts
von 375.000 Arbeitssuchenden in Österreich und einer
Jugendarbeitslosigkeit von zehn Prozent" von einem "Schlag ins
Gesicht der Arbeitnehmer".
Tirol: Regionale Beschäftigung bei 17 Prozent
Insgesamt lagen die touristischen Gesamtausgaben im Jahr 2023
zwischen 0,75 Mrd. Euro im Burgenland und 9,67 Mrd. Euro in Tirol.
Hoch war der Beitrag zur Wirtschaftsleistung in Tirol mit 16,5
Prozent, in Wien waren es 4,9 Prozent - während der Anteil des
Tourismus an der regionalen Gesamtbeschäftigung zwischen 3,5 Prozent
in Oberösterreich und 17,3 Prozent in Tirol lag, wie
Tourismus-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner (ÖVP) im Herbst 2025
vorrechnete.
Der Krieg der USA und Israels gegen den Iran hat den weltweiten
Tourismus hart getroffen, die damit einhergehende steigende
Inflation wirkt sich auch in der Gastronomie aus. Zwar seien viele
Lokale voll, die Kunden würden aber bei Speisen und Getränken
sparen, beklagt die Branche. Zur Veranschaulichung: Im
Jahresvergleich legten die Verbraucherpreise im März 2026 laut
Schnellschätzung der Statistik Austria um 3,1 Prozent zu, im Februar
des heurigen Jahres lag die Teuerung noch bei 2,2 Prozent. Als einer
der Preistreiber gilt der Dienstleistungssektor mit Hotels und
Lokalen.
2.026 Euro brutto Mindestlohn
Die Gewerkschaft vida beklagt, dass die Rekordzahlen im Tourismus
nicht bei den Beschäftigten ankommen. "Hinter diesen Erfolgszahlen
steht vor allem die enorme Leistung der Beschäftigten unter
belastenden Bedingungen", so die vida-Fachbereichsvorsitzende
Eberhart. Sie rechnet vor: Während Beschäftigte im öffentlichen
Dienst ab 2.262,30 Euro verdienen und in der Reinigung ab 2.184,99
Euro, liegt der Einstieg in Hotellerie und Gastronomie bei lediglich
2.026,00 Euro brutto für Hilfskräfte.
Für die Touristiker war die heurige Wintersaison jedenfalls ein
Quell der Freude. Von November bis Februar stiegen die
Nächtigungszahlen um 5,5 Prozent auf 54,25 Millionen - der höchste
jemals gemessene Wert für diesen Zeitraum, wie die Statistik Austria
kürzlich bekannt gab. Bei den Beschäftigten der Seilbahnen schlug
sich dies heuer mit einem Lohnplus von 3,57 Prozent zu Buche. Der
Brutto-Einstiegslohn wurde auf 2.218 Euro pro Monat erhöht.
3,6 Prozent mehr Lohn bei Liftbetreibern
Über ein Lohn- und Gehaltsplus in dieser Höhe dürfen sich heuer
nur wenige Branchen freuen. Hier ein Auszug aus den KV-Abschlüssen
der vergangenen Wochen: Die Beschäftigten in der KV-Gruppe Werbung
und Marktkommunikation erhalten zwischen 2,35 und 2,8 Prozent mehr
aufs Gehaltskonto. Die Geflügelindustrie hebt die Löhne um 2,7
Prozent an, der Mindestlohn überwindet ganz knapp die 2.000 Euro
Schwelle (2.001 Euro brutto).
Die Raiffeisenlagerhäuser im Burgenland zahlen 2,2 Prozent mehr
KV-Lohn, der Mindestlohn liegt bei 2.063 brutto. Für Mitarbeiter in
Kühlhäusern gibt es bundesweit 2,9 Prozent mehr (Mindestlohn 2.455
Euro). Der Wiener Hafen erhöhte die Mindestlöhne um 3,3 Prozent. Die
ostösterreichischen landwirtschaftlichen Gutsbetriebe zahlen drei
Prozent mehr (Mindestlohn 2.288 Euro). Und auch die Stadt Wien zahlt
ihren landwirtschaftlich Beschäftigten 3,3 Prozent mehr. Die
Raiffeisen Ware Austria hingegen zahlt nur 2,0 Prozent mehr. Bei den
gewerblichen Forstunternehmen steigen die Stundenlöhne um 2,95
Prozent, für den gefährlichen Job gibt es einen Mindestlohn von
2.064 Euro brutto.
stf/ivn
ISIN
WEB http://www.vida.at
https://www.wko.at/oe/news/pressestelle-wkoe