RBI-HV - Aktionäre sehen Addiko-Angebot skeptisch
Addiko-Angebot unter aktuellem Börsekurs - Erneut viele Fragen
zum Russland-Geschäft - Höllerer stellt sich als designierter
RBI-Chef vor
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AKTUALISIERUNGS-HINWEIS
Neu: Weitere Details zum Addiko-Angebot und zu Russland (2.,3. und 5. Absatz), Abstimmungen über Aufsichtsratsmitglieder und Dividende (letzter Absatz)
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Nach den in der Nacht auf Donnerstag bekannt
gewordenen Angebotsplänen der Raiffeisen Bank International (RBI)
für die Addiko Bank haben sich die Aktionärsvertreter auf der
heutigen Hauptversammlung (HV) skeptisch gezeigt. Das Angebot von
23,05 Euro je Aktie liege unter dem aktuellen Aktienkurs von rund 26
Euro und sei daher "vielleicht nicht besonders erfolgversprechend",
sagte der Präsident des Interessensverbandes für Anleger (IVA),
Florian Beckermann, am Donnerstag.
Geografisch würde der Zukauf der Addiko Bank Sinn machen, der
Verkauf der Teile in Serbien, Bosnien und Herzegowina und Montenegro
würde aber die Konkurrenz in Serbien wieder stärken, so der
IVA-Präsident weiter. Konzernchef Johann Strobl sieht das anders.
"Nach dem Kauf der Crédit Agricole glauben wir, dass wir in Serbien
eine gute Machtposition haben", sagte der CEO. 2021 hatte die RBI
mit ihrer serbischen Tochter die Crédit Agricole Srbija gekauft.
Strobl wies in seiner Eingangsrede außerdem darauf hin, dass eine
Übernahme ein Weg sei "um eine schwierige Situation zu bereinigen".
Die Addiko Bank kämpft seit längerem mit einer unübersichtlichen
Eigentümerstruktur, was unter anderem zum Eingreifen der
Europäischen Zentralbank (EZB) und zur Aussetzung der Dividende für
die Jahre 2024 und 2025 geführt hatte. Aufsichtsratschef Erwin
Hameseder sagte eingangs in der HV, das Ziel des Zukaufs sei vor
allem die "Stärkung der Position in Kroatien und der Wiedereintritt
in den Markt in Slowenien". Nach dem Plan der RBI soll das
Addiko-Geschäft in Serbien, Bosnien und Herzegowina und Montenegro
an den derzeitigen serbischen Addiko-Aktionär Alta Group gehen.
Positiver wurde bei den Aktionärsvertretern der Zukauf der
BBVA-Tochter Garanti in Rumänien bewertet. Mit diesem treibe die RBI
ihre Wachstumsgeschichte wieder voran und zeige, wie es mit dem
Institut weitergehen soll, so Beckermann. Für Strobl ist der
Garanti-Zukauf "eine gute Gelegenheit, zusätzlich zum organischen
Wachstum Kunden zu gewinnen und die Infrastruktur, die wir dort
haben, besser auszulasten".
Fragen zu Russland
Statt Zukäufen standen in den vergangenen Jahren bei der RBI die
Geschäfte in Russland im Fokus. Auch heuer wurden dazu auf der
Hauptversammlung wieder viele Fragen gestellt. Die meisten drehten
sich um die laufenden Rechtsstreitigkeiten zwischen der von der EU
sanktionierten russischen MKAP Rasperia Trading Limited ("Rasperia")
und der Strabag SE, in die auch die Raiffeisen Russland verwickelt
ist. Die Aktionärsvertreter wollten wissen, wie sich die Bank das
bisher im Zuge von russischen Gerichtsurteilen gezahlte Geld wieder
zurückholen kann und woran es bei Verkaufsbemühungen scheitert. Die
RBI baut ihr Russland-Geschäft seit Ausbruch des Krieges stetig ab.
Ein Verkauf ist bisher trotz mehrerer Anläufe nicht gelungen.
Strobl verwies einmal mehr darauf, dass ein Verkauf nach wie vor
verfolgt werde, jedoch die Genehmigung von vielen Behörden brauche.
Die bisher geleisteten Schadenersatzzahlungen könne sich die Bank
wohl am besten über eine Klage in Österreich zurückholen. Diese
wurde noch nicht eingebracht. Die Verjährungsfrist hierfür betrage
drei Jahre, daher sei noch etwas Zeit, so Strobl. Die RBI arbeitet
gleichzeitig weiter daran, in Russland sanktionsrechtlich
eingefrorene Aktien der Strabag als eine Ausnahme freigeben zu
lassen. Bisherige Bemühungen dazu waren gescheitert.
Designierter CEO Höllerer stellt sich vor
Vor der Fragerunde stellte sich Michael Höllerer als designierter
CEO der RBI bei den Aktionären offiziell vor. Er wird den Posten von
Johann Strobl am 1. Juli übernehmen. Höllerer will den Abbau des
Geschäfts in Russland weitertreiben. Der Ausstieg solle
"konsequentest in unserer Sphäre, soweit wir das auch beeinflussen
können" vorangetrieben werden, so Höllerer. Viel Potenzial sieht er
indessen für das übrige Osteuropa-Geschäft. Die
Raiffeisen-Netzwerkbanken in CEE seien dank ihrer Marktkenntnis ein
wichtiger "Organismus, der Wachstum sicherstellt, der den
wirtschaftlichen Erfolg sicherstellt". Aufgrund der zahlreichen
Transformationen, die weltweit im Gange sind, sieht Höllerer auch
Chancen für das Firmenkundengeschäft. Innerhalb der österreichischen
Raiffeisen Bankengruppe will er zudem die Kooperation verstärken.
"Hier können wir noch viel mehr gemeinsam voranbringen".
Die Hauptversammlung wurde mehrmals von Störungen unterbrochen,
die Protestanten mussten jeweils vom Ordnungsdienst aus dem Saal
gebracht werden. Attac und urgewald demonstrierten am Vormittag
gemeinsam mit weiteren NGOs vor der Wiener Stadthalle, wo die HV
stattfand, gegen das Russland-Geschäft der Bank. Auch im Rahmen der
Generaldebatte meldeten sich Vertreter von NGOs zu Wort und
kritisierten das anhaltende Engagement der Bank in Russland. Weitere
Kritikpunkte der NGOs sind, dass die RBI einer der größten Geldgeber
für die fossile Branche sei und in den Palantir-Konzern von Peter
Thiel investiere, hieß es in einer Attac-Aussendung.
Bewegung im Aufsichtsrat
Bei der HV stellten sich außerdem neue Mitglieder des
Aufsichtsrats zur Wahl. Michael Höllerer legt im Zuge seines
Wechsels in den RBI-Vorstand sein Mandat mit der heutigen HV zurück.
Ihm folgt Martin Hauer, designierter Nachfolger von Höllerer als
Generaldirektor der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien,
nach. Rudolf Könighofer verlässt den RBI-Aufsichtsrat mit Ende des
Jahres 2026. Für ihn kommt ab dann Eva Fugger, designierte
Vorstandsvorsitzende der Raiffeisenlandesbank Burgenland, in das
Gremium. Darüber hinaus ersetzt Thomas Wass, Chef der
Raiffeisenlandesbank Tirol, Christof Splechtna, der sein Mandat für
den RBI-Aufsichtsrat Ende März zurückgelegt hatte. Splechtna
übernimmt ab Oktober den Chefposten in der Hypo Landesbank
Vorarlberg. Darüber hinaus wurde auch die Dividende von 1,60 Euro je
Aktie von den Aktionären abgesegnet.
bel/sag/spo
ISIN AT0000606306 AT000ADDIKO0
WEB http://www.rbinternational.com/
https://www.addiko.com/