Hipp-Rückruf: Laut Ministerium möglicherweise Rattengift beigemengt
Entsprechende Behältnisse könnten im Bundesland aufgetaucht
sein - Polizei bittet Bevölkerung um Informationen -
Unternehmen warnte vor Lebensgefahr bei Verzehr, Rückruf aber
"vorsorglich" - BILD
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AKTUALISIERUNGS-HINWEIS
Neu: Einstieg neu
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Der Rückruf aller Babykostgläschen von Hipp bei Spar
Österreich ist wegen möglicherweise auch beigemengten Rattengifts
veranlasst worden. Das gaben Gesundheitsministerium und Agentur für
Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) am Samstagabend nach
Anfrage der APA bekannt. Es sei "besondere Vorsicht geboten, bis der
Fall vollständig aufgeklärt ist". Es handle sich um einen
mutmaßlichen Erpressungsversuch in Eisenstadt sowie in Tschechien,
hieß es auf der AGES-Internetseite.
Die Landespolizeidirektion Burgenland hatte am Freitag
Ermittlungen in dem Fall wegen Manipulationsverdachts aufgenommen.
Grund ist ein Hinweis, wonach entsprechende Gläser "im
burgenländischen Bereich aufgetaucht sein könnten", sagte
Polizeisprecher Helmut Marban am Samstag auf APA-Anfrage. Aber: "Wir
haben noch nichts entdeckt." Hinweise der Bevölkerung wurden
erbeten. Nähere Details zu den Ermittlungen nannte Marban nicht. Der
Sprecher verwies in diesem Zusammenhang auf kriminaltaktische
Erwägungen. Kontakt mit der Polizei soll aufgenommen werden, "wenn
jemand etwas beobachtet hat". Informationen zu etwaigen
manipulierten Hipp-Babygläschen mit möglichen lebensbedrohlichen
Inhalten nehmen die Ermittler unter der Telefonnummer
+43-5913310-3333 entgegen.
Seitens der Staatsanwaltschaft Eisenstadt hieß es am Samstag auf
Anfrage, dass noch keine Verfügungen in der Causa getroffen worden
seien. Eine schriftliche polizeiliche Berichterstattung werde
geprüft. Die APA hat die Behörden und Hipp mehrfach nach einer
möglichen Erpressung befragt. Dazu hielt man sich seitens aller
Beteiligten bedeckt.
Hipp-Elternservice-Telefon geöffnet
"Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir aufgrund der
laufenden Ermittlungen derzeit keine weitergehenden Informationen
geben können. Wir verweisen an die zuständigen Behörden", hieß es am
Samstagvormittag auch in einer schriftlichen Anfragebeantwortung von
Hipp an die APA.
Das Hipp-Elternservice Österreich für besorgte Mütter und Väter
ist demnach statt üblicherweise nur werktags nun auch am Wochenende
unter der Nummer +43-7612-76577-104 erreichbar. "Der Kanal ist offen
und beunruhigte Verbraucher können sich jederzeit dort melden."
Unternehmen: Rückruf "vorsorglich"
Der Rückruf sei "vorsorglich erfolgt, um auch ein theoretisches
Risiko auszuschließen", hieß es seitens der Hipp-Pressestelle
gegenüber der APA. "Wenn ein Kind keine Beschwerden zeigt, besteht
kein Anlass zur Sorge. Wenn Eltern unsicher sind oder Symptome
bemerken, sollen sie sich bitte an Kinderarzt oder medizinische
Notfallstelle wenden." Unklar blieb, wie viele Hipp-Gläser von dem
Rückruf betroffen sind.
Die Causa war am späten Freitagabend publik geworden. Es könne
nicht ausgeschlossen werden, dass durch Manipulation in den Artikel
"Gemüsegläschen Karotte mit Kartoffel" 190 Gramm ein gefährlicher
Stoff eingebracht wurde, hieß es in einer Aussendung von Hipp. "Der
Verzehr eines solchen Gläschens kann lebensgefährlich sein", wurde
betont.
Markierung am Glasboden
Nach derzeitigen Informationen sind die in Frage kommenden
Produkte mit einer am Glasboden angebrachten Markierung in Form
eines weißen Aufklebers mit einem roten Kreis erkennbar, wurde in
dem Produktrückruf erläutert. Um einen unbemerkten Verzehr sicher
auszuschließen, werden Kundinnen und Kunden gebeten, jedoch alle
Hipp-Babykostgläschen, die bei Spar Österreich gekauft wurden, aus
Sicherheit nicht zu konsumieren. Die Produkte können in jedem Spar-,
Eurospar- sowie Interspar-Markt oder Maximarkt zurückgegeben werden.
Der Kaufpreis wird auch ohne Kassabon rückerstattet.
Spar Österreich wurde Freitagabend über die Geschehnisse
informiert, sagte Sprecherin Nicole Berkmann auf APA-Anfrage.
Aufgrund des Verdachts einer Manipulation seien "aus
Sorgfaltspflicht" vor Öffnung der Filialen am Samstag sämtliche
Hipp-Produkte aus dem Sortiment genommen worden. Spar Österreich hat
1.500 Filialen in Österreich. Die Produkte wurden nun eingelagert.
Bisher sei keines dieser mutmaßlich markierten Gläschen entdeckt
worden, so Berkmann.
sws/ce/ker/lor/hac/mhh