Hipp-Rückruf: Sichergestelltes Glas im Burgenland enthielt Rattengift
Kunde hatte Behältnis gemeldet, Verzehr fand nicht statt -
Mutmaßliche Erpressung in Eisenstadt und Tschechien -
Unternehmen warnte vor Lebensgefahr, Rückruf aber
"vorsorglich" - BILD
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AKTUALISIERUNGS-HINWEIS
Neu: Glas im Burgenland sichergestellt, Probe auf Rattengift positiv
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Im Zusammenhang mit dem Rückruf aller
Babykostgläschen von Hipp bei Spar Österreich ist am Samstagabend
die Sicherstellung eines offensichtlich manipulierten Behältnisses
in Schützen am Gebirge (Bezirk Eisenstadt-Umgebung) bekannt
geworden. "Dieses Gläschen war von einem Kunden gemeldet worden, ein
Verzehr hat nicht stattgefunden", teilte die Landespolizeidirektion
Burgenland mit. Eine Probe des sichergestellten Produkts wurde
positiv auf Rattengift getestet.
Bereits zuvor hatten das Gesundheitsministerium und die Agentur
für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) auf APA-Anfrage in
der Causa von möglicherweise beigemengtem Rattengift gesprochen. Es
sei "besondere Vorsicht geboten, bis der Fall vollständig aufgeklärt
ist". Es handle sich um einen mutmaßlichen Erpressungsversuch in
Eisenstadt, hieß es auf der AGES-Internetseite.
Rattengifte enthalten demnach unterschiedliche Wirkstoffe mit
entsprechend unterschiedlichen gesundheitlichen Auswirkungen. Der am
häufigsten verwendete Wirkstoff sei Bromadiolon, ein sogenannter
Vitamin-K-Antagonist. Dieser hemmt die Wirkung von Vitamin K, das
für die Blutgerinnung erforderlich ist. Infolge dessen kann es zu
einer verminderten Gerinnungsfähigkeit des Blutes kommen. Mögliche
Folge davon sind unter anderem Blutungen (Zahnfleischbluten,
Nasenbluten, blaue Flecken, Blut im Stuhl).
Verzögerte Symptome
Die Symptome tauchen typischerweise verzögert, etwa erst zwei bis
fünf Tage nach der Aufnahme auf, wurde informiert. Bei Auftreten von
Blutungen, extremer Schwäche oder Blässe ist umgehend eine Ärztin
oder ein Arzt aufzusuchen, so die Handlungsempfehlung. "Informieren
Sie medizinisches Personal unbedingt darüber, dass das betroffene
Produkt verzehrt wurde. Überprüfen Sie Kindernahrungsmittel vor dem
Verzehr sorgfältig (Aussehen, Geruch)", wurde geraten. Außerdem:
"Falls Ihnen verdächtige Gläschen an Säuglingsnahrung auffallen,
verständigen Sie bitte umgehend die regional zuständige
Polizeiinspektion."
Mutmaßliche Erpressung
"Es handelt sich dabei um einen mutmaßlichen Erpressungsversuch",
erläuterte die AGES online. Betroffen sei nach derzeitigem Stand
eine Spar-Filiale in Eisenstadt. Bei entsprechender ärztlicher
Behandlung, insbesondere durch die Gabe von Vitamin K, ist die
Vergiftung gut behandelbar, informierten die AGES-Experten.
Hipp-Elternservice-Telefon geöffnet
"Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir aufgrund der
laufenden Ermittlungen derzeit keine weitergehenden Informationen
geben können. Wir verweisen an die zuständigen Behörden", hieß es am
Samstagvormittag auch in einer schriftlichen Anfragebeantwortung von
Hipp an die APA.
Das Hipp-Elternservice Österreich für besorgte Mütter und Väter
ist demnach statt üblicherweise nur werktags nun auch am Wochenende
unter der Nummer +43-7612-76577-104 erreichbar. "Der Kanal ist offen
und beunruhigte Verbraucher können sich jederzeit dort melden."
Unternehmen: Rückruf "vorsorglich"
Der Rückruf sei "vorsorglich erfolgt, um auch ein theoretisches
Risiko auszuschließen", hieß es seitens der Hipp-Pressestelle
gegenüber der APA. "Wenn ein Kind keine Beschwerden zeigt, besteht
kein Anlass zur Sorge. Wenn Eltern unsicher sind oder Symptome
bemerken, sollen sie sich bitte an Kinderarzt oder medizinische
Notfallstelle wenden." Unklar blieb, wie viele Hipp-Gläser von dem
Rückruf betroffen sind.
Die Causa war am späten Freitagabend publik geworden. Es könne
nicht ausgeschlossen werden, dass durch Manipulation in den Artikel
"Gemüsegläschen Karotte mit Kartoffel 190 Gramm" ein gefährlicher
Stoff eingebracht wurde, hieß es in einer Aussendung von Hipp. "Der
Verzehr eines solchen Gläschens kann lebensgefährlich sein", wurde
betont.
Markierung am Glasboden
Nach derzeitigen Informationen sind die in Frage kommenden
Produkte mit einer am Glasboden angebrachten Markierung in Form
eines weißen Aufklebers mit einem roten Kreis erkennbar, wurde in
dem Produktrückruf erläutert. Um einen unbemerkten Verzehr sicher
auszuschließen, werden Kundinnen und Kunden gebeten, jedoch alle
Hipp-Babykostgläschen, die bei Spar Österreich gekauft wurden, aus
Sicherheit nicht zu konsumieren. Die Produkte können in jedem Spar-,
Eurospar- sowie Interspar-Markt oder Maximarkt zurückgegeben werden.
Der Kaufpreis wird auch ohne Kassabon rückerstattet.
Spar Österreich wurde Freitagabend über die Geschehnisse
informiert, sagte Sprecherin Nicole Berkmann auf APA-Anfrage.
Aufgrund des Verdachts einer Manipulation seien "aus
Sorgfaltspflicht" vor Öffnung der Filialen am Samstag sämtliche
Hipp-Produkte aus dem Sortiment genommen worden. Spar Österreich hat
1.500 Filialen in Österreich. Die Produkte wurden nun eingelagert.
Bisher sei keines dieser mutmaßlich markierten Gläschen entdeckt
worden, so Berkmann.
ce/sws/ker/lor/hac/mhh